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20. Juli 2013

Heute: hopp UND topp

Heute war ich mit den Kindern den ganzen Tag über alleine. Das bedeutet oft, dass es besonders gute Tage sind. Und es bedeutet genauso oft, dass es besonders stressige und angereizte Tage sind.
Heute war ein buntes Potpourri und das schreibt man tatsächlich so!. 

Sowohl die Kinder als auch ich haben unsere besten und unsere teuflischsten Seiten gezeigt.
Ein Reizthema ist bei uns ja üblicherweise das Anziehen der Kinder 1 und 2. Heute hat Kind 2 behauptet, er könne sich nicht alleine anziehen, er sei noch zu klein und überhaupt hätte ich ihm gar keine Sachen hingelegt und buuhuuhuu. Nach ein paar Minuten meinte er dann, er könne sich nicht anziehen, er sei viel zu schlapp und habe soooolchen Hunger. Das war ca. 20 Minuten, nachdem der Frühstückstisch abgeräumt war. 
Das Ausziehen hatte bis dahin schon geklappt und so saß er nackt in seinem Zimmer und hat gespielt, unterbrochen von den kurzen Unmutsbekundungen, wenn ich ins Zimmer kam, um seinen Fortschritt im Prozess des Bekleidens zu begutachten. Mir fiel ein, dass ich irgendwo neulich mal gelesen hatte und ich kann mich absolut nicht mehr erinnern, wo und in welchem Zusammenhang das war (vermutlich in der Nido im Supermarkt, die ich dann wie meistens doch nicht kaufte), dass man, um unnötigen Stress zu vermeiden und gelassen in den Tag zu starten, den Kindern die Anziehsachen einfach hinlegen solle und gar keine großen Worte verlieren solle, dann löse sich das Problem oft von selbst.
Ich habe mich in der Situation dann idiotischerweise ganz bewusst dagegen entschieden. Ich habe ihm keine Sachen gegeben (er saß direkt neben seiner Kleiderkommode) und ihm einfach nur gedroht (das allerdings in pretentiös-freundlichem Tonfall), dass ich ihn nicht mitnähme zu Einkaufen, ganz einfach. Kind 1 und Kind 2 kommen mit und ich fahre mit dem Auto weg und er bleibt dann hier, das sei kein Problem. Hargh, MUTTER! Nun denn. 
Die Reaktion war sofortiges Geheule, unter dem er dann seinen nächsten Zusammenbruch beim Öffnen der Kommodenschublade erlitt. Mir war klar, dass mein Verhalten nix mit Mama Koala zu tun hat und dass alle guten Vorsätze eben nur diese waren usw. und ich bin ganz bewusst in der Situation geblieben und habe bockig wie ein kleines Kind darauf beharrt, dass er sich nun anziehe. Dabei habe ich ihm auch noch verboten ein bestimmtes T-Shirt anzuziehen (es war mir zu bunt zu der bunten Hose). Was soll ich da noch sagen? Totale Scheiße, Mutter!

Insgesamt hat dieses ganze Getue von mir dann aber dazu geführt, dass ich mich für den Rest des Tages echt zusammengerissen habe und es mir auch gar nicht schwer gefallen ist, nett und fröhlich zu sein.

Und das, obwohl Kind 3 heute ausnahmsweise einmal einen Vollrappel bekommen hat. Wir waren im Baumarkt und ich habe den Fehler begangen, eines dieser überdimensionierten Plastikautos zu schnappen. Kind 3 saß im Kindersitz, Kind 2 im "Fahrerraum". Nach einer Weile hat Kind 3 mitbekommen, dass das ja gar kein normaler Einkaufswagen ist und wollte auch im Auto fahren (Kind 2 hat ununterbrochen brrrrrrrrrrm gesagt, so dass es ja rauskommen musste). Also hat Mama Koala nett aber bestimmt dafür gesorgt, dass sich nun abgewechselt wurde. Nach einer Weile wollte Kind 2 dann aber wieder "fahren", was zum Totalausfall von Kind 3 geführt hat. Er musste aus der Fahrerkabine entfernt werden und war so außer sich, dass ich ihn gar nicht mehr in den Kinderklappsitz bekam. Er heulte und schrie Rotz und Wasser und immer wieder NEIN NEIN NEIN, versuchte Kind 2 herauszuzerren, was nicht gelang, lief dann so schnell er konnte hinter dem Wagen her, um es noch einmal zu versuchen und schrie und schrie.

Ich bin solche Ausbrüche insbesondere in Supermärkten von meinen Kindern wirklich nicht gewohnt, was ja an sich toll ist. Nun aber musste ich unbedingt noch etwas Bestimmtes finden, von dem ich mir noch nicht einmal die Abteilung vorstellen konnte, wo es einsortiert sein könnte, kein Mitarbeiter weit und breit (ha, Baumarkt!) UND ich musste unwahrscheinlich nötig auf Toilette.

Was soll ich sagen. Ich war die Ruhe selbst. Keine krampfhafte Ruhe, sondern eher wie dieses warme Gefühl, das Erfrierende kurz vor dem Exitus empfinden. Ich habe meinen Hosenstall aufgemacht, damit meine Blase nicht platzt, habe das schreiende Kind auf den Arm genommen (dabei mein Portemonnaie im Gang verloren, das ich glücklicherweise wiedergefunden habe, als ich alle Gänge noch einmal abgegangen bin, immer noch mit schreiendem Kind) und bin zum Info-Schalter. Als ich das Ersehnte dann fand, war ich sehr froh und äußerte es auch, ach GUCK mal, da sind sie ja, welche Länge nehmen wir denn am besten? Da war das Kind still, bis ich eine Auswahl getroffen hatte. Auf dem Weg zur Kasse gab er noch einmal Gas, aber war dann so erschöpft, dass er anbuckte und bald darauf im Auto einschlief. 

Auf der Autofahrt hatte ich SO ein gutes Gefühl! Zum Einen musste ich nicht mehr (diese Logik der Blasen-Physiologie habe ich noch nie verstanden), zum Anderen hatte mich das einfach vor allem erschöpfte Kind mit Brüllanfall emotional nicht aus der Balance gebracht, aber auch gar nicht! Ich war mit mir sehr zufrieden und dachte noch kurz an den Morgen zurück. Ich glaube ich habe dabei ein wenig arrogant den Kopf geschüttelt, wie man sich überhaupt so einen Stress machen kann.

Fazit: Es gibt so Tage, da bin ich ätzend. Im Sinne der eigenen Authentizität ist es dann ja auch OK, wenn die Kinder das mitbekommen, aber schämen tue ich mich danach schon ein bisschen. Ich habe heute allerdings dennoch die Mission erfüllt und nicht geschrien und mein Gemecker war nach dem T-Shirt-Verbot auch vorbei. Also insgesamt durchaus positiv, dieser Tag!

10. Juli 2013

Durchhalten -- Bewährungsproben und was ich noch lernen muss

Ich sitze beim viel zu verfrühten Frühstück mit den zwei Kleinen (ich Kaffee, sie Frühstück), es ist hell und freundlich draußen und ich freue mich über das Sommerliche – das Wetter, das Unkomplizierte, meine Stimmung. Die letzten Tage konnte ich nicht immer diese Stimmung aufrechterhalten, aber ich kann sagen: Ich habe meine Kinder nicht angeschrien. In einigen Situationen klang ich patziger, als es wahrscheinlich nötig gewesen wäre und gestern hätte ich es um Haaresbreite nicht geschafft. Zum Glück habe ich noch so gerade die Kurve gekriegt, bevor alles eskaliert wäre.

Ich war mit den Kindern alleine zu Hause und alle drei waren nölig und gleichzeitig kribbelig. Nr. 3 hat ständig geheult, geschrien oder gewimmert und ich konnte nicht feststellen, was genau er wollte. Um die beiden anderen stand es nicht viel besser. Anstatt wie gestern gemeinsam zu lesen, gemeinsam draußen zu picknicken, gemeinsam Playmobil zu spielen und CD zu hören (zugegeben: Das war große Klasse gestern und in dieser Form und Dauer nicht die Regel) gab es ständig Reibereien. Jedes Mal, wenn sie sich begegneten, kamen sie sich körperlich in die Quere, der Älteste zergte Nr. 2, die beiden kämpften, was jedes Mal in Geschrei und Gewimmer endete, sie provozierten sich gegenseitig, jagten sich durch's Haus und Garten, nur um sich dann weiter zu ärgern, nass zu spritzen und am Ende wieder zu schreien und zu wimmern.

Den Nachmittag hatte ich mir ganz anders vorgestellt und war sehr genervt vom Geräuschpegel und dem immerwährenden Zwist, der das Haus füllte. Dazu das mehr heulende als fröhliche Kleine. Meine Geduld schwand und mit ihr meine guten Vorsätze. Ganz gemäß meines alten Musters beschloss ich an einer Stelle, die Großen dürften sich nicht mehr in die Quere kommen und verbot ihnen Körperkontakt (wie abstrus das jetzt wirkt, in der Ruhe des morgendlichen Frühstücks bei Vogelgezwitscher!). Jaha, Mama, machen wir nicht mehr (Nr. 2) und Öntschuuldigunnnng (Nr. 1) hielten nicht lange vor. Nach kurzer Zeit war es wieder dasselbe Spiel und ich nun vollständig entnervt. Als Steigerungsmaßnahme schickte ich beide auf ihr jeweiliges Zimmer.

Wie macht man das, die Kinder wegschicken, ohne laut zu werden? Eigentlich stellte ich mir vor, dass das Wegschicken selbst schon ein solche deutliches Zeichen sei, dass die Kinder reumütig den Weg antreten, um nach einiger Zeit beruhigt und geläutert wieder zurückzukommen. HA! Hat ja noch nie so funktioniert! Die Wut bricht sich erst einmal richtig Bahn, die Kinder weigern sich, schmeißen sich auf den Boden oder klammern sich an die Treppenstufen. Je nach Körpergröße hätte ich sie früher geschnappt und auf ihr Zimmer getragen, „wenn es nicht anders ging“. Sanft war das nicht und vollständig gegen meine eigenen Werte des Umgangs mit Kindern sowieso.

Während meiner Challenge kam es bislang noch nicht dazu, dass ich sie ins Zimmer geschickt habe. Das ist schon ein großer Schritt für mich, denn das Wegschicken war früher meist die letzte Stufe der Eskalation. Nur selten und nur beim Großen geschah das auf annähernd partnerschaftliche Weise, er ging halb freiwillig, nahm sich die Zeit alleine in seinem Zimmer und beruhigte sich durch kreatives Spielen (so, wie ich mir das Ganze immer vorgestellt hatte). Bei Nr. 2 war es purer Zufall: Auch er hatte manchmal durchaus Lust, alleine im Zimmer zu spielen (was er sonst auch gerne macht), dann ging er in solchen Situationen selbst und schnell dorthin und kam ganz gelöst nach einer Viertelstunde oder mehr von selbst wieder.
Die zu kappen bedeutet eine deutlich Verbesserung im Umgang mit den Kindern. Am Wochenende  hätte ich es schon viel früher kommen sehen können und sollen. Mit etwas mehr Kreativität wäre es auch da sicherlich nicht so weit gekommen.

Und genau dort möchte ich von nun an an mir arbeiten: Prävention. Während der ersten Tage der Challenge ging Vieles so leicht, dass mir die Alternativen zum Rumschreien, wie sie das Orange Rhino beschreibt, allesamt überzogen vorkamen. Jetzt merke ich, dass ich selbst Möglichkeiten finden muss, gezielt die Trigger zu erkennen und dann vor allem etwas anderes zu tun. Ich habe ja bereits darüber geschrieben, wie nichts zu sagen in einigen Situationen schon gut funktioniert hat. Es gibt aber Momente, da geht es nicht ums Verbale, z.B. im Umgang mit Kind Nr. 2 und 3. Da hilft also auch diese Strategie nicht weiter. 

Morgen ist der Tag, an dem ich damit beginnen werde. Vielleicht und hoffentlich kommen mir Ideen, die mir bei der Bewältigung schwieriger Situationen helfen. Ich werde berichten!




30. Juni 2013

Zweimal nix mit guten Vorsätzen ...

Gestern und vorgestern war es soweit: An diesen Tagen habe ich meine Mission nicht erfüllt. Mehrfach nicht erfüllt. Ich muss meinen Counter um zwei Tage zurückdrehen und fühle mich saft- und kraftlos.

In den letzten Tagen habe ich mich schon recht müde gefühlt, immer noch, dazu einfach ausgelaugt und antriebslos. Der Haushalt blieb zu großen Teilen liegen, was in Unordnung, Wäschebergen und wachsender Unzufriedenheit meinerseits mündete. Ich hatte einfach keine Energie und empfand alle möglichen Kleinigkeiten als lästig und hatte schnell das Gefühl, alles nicht schaffen zu können. Tatsächlich habe ich fast gar nichts geschafft. Ich malte mir häufig aus, wie das alles werden soll, wenn ich erstmal wieder mehr arbeite und kam immer zu dem Schluss, dass das alles gar nicht gehen kann. Woher soll ich die Zeit nehmen? Woher die Energie und den Optimismus?

Und ganz passend zu meinem Allgemeinbefinden war es dann auch mit meiner Ausdauer bezüglich Anschreiverbot bestellt. Ich fühlte mich überfordert und übellaunig und habe dieses die Kinder auch spüren lassen. Sie waren eigentlich ganz normal, aber ich fand in einigen Situationen alles so ätzend, dass ich meine schlechte Laune an ihnen ausließ. Ich erinnere mich nur noch vage an die Situationen selbst, aber ganz deutlich an das Gefühl des Scheiterns, als mir bewusst wurde, dass ich wieder in der alten Schleife unterwegs war. Statt dann wegzugehen oder eine andere Alternative zu finden (z.B. nichts entgegnen, singen, albern sein, etc.) habe ich mich noch richtig hineingesteigert und verbal noch einen drauf gesetzt.

Alles in allem war das in einem erträglichen Rahmen, wenn ich das mit vorherigen Zeiten vergleiche. Für Mama Koala war es aber ganz und gar nicht akzeptabel. Mein Ton war meckerig, die Stimme viel zu laut und zu aggressiv. Und das vorgestern gleich zwei Mal, da war mir klar, dass ich diesen Tag nicht gelten lassen kann.

Gestern kam es dann zu einer kurzen Situation, die aber auch laut und unangebracht war. Auch da habe ich nur noch das Bild vor Augen, wie mein Ältester im Auto sitzt und mich anschaut, während ich ihn vollschimpfe. So ein Bild wollte ich doch genau nicht mehr erzeugen!

Heute bin ich einen ganzen Tag weiter. Der Ärger über mich selbst ist noch da, aber ich merke, dass ich die Lage so langsam wieder in den Griff bekomme. Gestern dachte ich noch, dass diese ganze Challenge doch völlig übertrieben sei, wie soll ich das je schaffen? Vor ein paar Tagen noch die 2 Wochen abgefeiert, jetzt schon gescheitert.
Heute merke ich aber, dass mein Wille, diese Challenge durchzuziehen doch sehr stark ist. Im Sinne meiner Kinder, im Sinne meiner Beziehung und für mich selbst will ich ganz einfach kontrollierter und vernünftiger auf stressige Situationen reagieren, bzw. mich so verhalten, dass es in der Regel erst gar nicht zu solchen Situationen kommt.
Da die letzte Zeit aber mit Sicherheit nicht die stressigste war, die mich in diesem Mama Koala Jahr erwartet, muss ich mich noch einmal ein wenig feiner justieren. Denn: Kein Kind und auch sonst niemand in der Familie ist krank, ich bin nur ein wenig kraftlos, aber ansonsten gesund, der Juni ist nun nicht gerade der klassische Depri-/Stressmonat und ich arbeite nur sehr wenig. Da gibt es Schlimmeres!

Ich habe heute überlegt, ob ich nicht noch einmal von vorne anfangen sollte mit dem Zählen. Damit es mir nicht wieder "passiert", denn einfach einen Tag aussetzen fühlt sich nicht so richtig wie die Zurechtweisung an, die ich anscheinend gelegentlich brauche.

Aber ich habe mich dagegen entschieden und hoffe, dass ich auch so genug gelernt habe, um mich in Zukunft besser wieder in den Griff zu bekommen. Vielleicht sollte ich ja doch über vielfältigere Alternativen zum Schreien nachdenken und sie erproben. Und vielleicht sollte ich auch meine Trigger ernster nehmen und sie vor allem schneller erkennen.
Das Problem der letzten Zeit war, dass sich zum allgemeinen Trigger Müdigkeit auch noch Unzufriedenheit gesellte. Damit kann ich sowieso nicht gut umgehen und so ist es nicht verwunderlich, dass ich gerade jetzt diesen Rückschritt gemacht habe. Diese latenten Gefühlszustände finde ich viel schwieriger als Trigger zu identifizieren. Jetzt weiß ich es aber und werde mir bei nächster Gelegenheit, wenn es wieder einmal soweit ist, dazu etwas überlegen müssen. Meine Kinder könnten z.B. Koalamasken tragen, dann würde ich stets daran erinnert, dass ich doch die Koalamama sein will!

Zwei weitere Tage ohne Anschreien und Gemecker sind immerhin geschafft. Morgen beginnt neue Woche und ich will sie im neuen Bewusstsein beginnen, dass die Challenge Anstrengung erfordert, die ich nun wieder erbringen will. Denn wie Janosch schon sagte: Jeder Tag ist neu.


25. Juni 2013

2 Wochen ohne Geschrei und Gemecker -- Jubel!

Der 14. Tag ist vollendet, auch heute (Tag 15) ist ohne Anschreien, Rumbrüllen und Gemecker über die Bühne gegangen. OK, heute war leicht, 2 von 3 Kindern waren außer Haus verabredet und obwohl Kind 3 mit der Situation "mit Mama allein zu Haus" ganz und gar nicht zufrieden war und das mit ausdauerndem Geweine und flehenden "da ....da! .... DA!!!!"-Rufen zum Ausdruck brachte, blieb ich ganz bei mir und meinem Eukalyptusstrauch. (Kind 3 habe ich glaube ich auch in der Vergangenheit noch nie wirklich angeschrien, er ist nämlich erst etwas älter als anderthalb und hat noch diesen wundervollen magischen Welpenschutz, der dafür sorgt, dass ich eigentlich alles irgendwie süß finde, was er macht).

Also Jubel-Jubiläum!!! Wenn man sich meinen Counter ansieht wird schnell klar, dass 14 Tage erst einmal wirken wie .... nix. ABER:
- rückblickend habe ich in der jüngeren Vergangenheit höchstens einzelne Tage, evtl. mal 2 aufeinanderfolgende Tage ohne Geschrei verbracht. Deshalb: 7 mal soviel und das in einem Guss!
- Es macht mich stolz, dass ich bislang noch keinen Tag wiederholen musste, also noch keinen Rückfall hatte. Ich war kurz davor und es gab Momente, in denen ich mir eine Skala gewünscht hätte, die mir meinen kritischen Bereich anzeigt und kurz hupt oder sich räuspert, wenn ich dem aggressiven Affengebrüll gefährlich nahe komme. Habe ich aber schlussendlich auch ohne solch ein sicherlich aufwändig zu bauendes Gerät geschafft. Und das 14 Mal!
- Ich fühle mich jetzt richtig "drin". Die Challenge ist mir an jedem Tag und in jeder Stunde, die ich mit meinen 3 Kindern verbringe, bewusst, aber mein Wohlverhalten hat sich schon etwas eingeschliffen. Ich schaffe es meistens, die Situation auch bei den Kindern erst gar nicht eskalieren zu lassen und muss mich nicht sehr oft zusammenreißen oder alternative Möglichkeiten der Gefühlsäußerung bemühen. Manchmal bin ich, wie in den letzten Tagen, aber auch einfach furchtbar müde und mir fehlt die Energie mich aufzuregen.

Ich stoße auf mich selbst an und denke ganz fest an meine schlafenden Kinder, die ich auch morgen wieder nicht verletzen, demütigen oder anschreien will sollte werde.

Gute Nacht!

23. Juni 2013

Schlaf und alles

OK, der Honeymoon für Mama Koala ist vorbei. Ich bin keine Koalamama, denn ich kann nicht auf meinem Ast schlafen und dabei nicht herunterfallen. Das erschwert das gemütliche Eukalyptusblattmümmeln erheblich. Diese Erkenntnis hat mich heute getroffen wie ein Schlag. Die von mir erdachte Koalaexistenz ist eben nur das: erdacht.

Ich kenne das Gefühl, das einem ein längerfristiger Schlafentzug beschert. Oder eher gesagt die Gefühle. Die ersten beiden Kinder ware schlechte Schläfer, wachten bis zum Alter von 2 Jahren regelmäßig nachts auf (oft 2mal) und hörten damit auf, als ich mit dem nächsten Baby so hoch schwanger war, dass ich eh 2 mal nachts aufstand, um auf's Klo zu gehen. Mein Mann und ich sind also sehr erfahrene Schlechtschläfer. Das hat zu der Zeit alles beeinflusst und überschattet. Ich pflegte zu sagen: Eltern von Kindern, die durchschlafen, haben keine Ahnung.

Nun haben wir mit Nr. 3 einen Gutschläfer, der zwar nicht mit 3 Tagen begonnen hat 14 Stunden durchzuschlafen, der aber schon seit seinem ersten Geburtstag in der Regel nachts nicht mehr aufwacht und wenn doch, einfach weiterschläft. Das hat alles positiv beeinflusst und besonnt. Ich rechne den bisherigen Erfolg meiner Mission mit all den positiven Auswirkungen auch zum großen Teil diesem Umstand zu: Mein Mann und ich sind uns viel näher und können den jeweils anderen viel besser sehen, als das zu Schlechtschlafzeiten der Fall war. Dadurch wird meine Challenge auch deutlich einfacher.

NUN ABER bin ich in einer Phase, die stark an damalige Zeiten erinnert. Ich bin von der Reise noch im Schlafdefizit und habe die letzten Nächte aus welchen Gründen auch immer für meine Verhältnisse schlecht geschlafen. Das wetterbeständige Zirkuszelt, das bis vor kurzem mein Nervenkostüm umgab ist weg (und das war teuer!) und ich bin auch in kleinen Situationen schnell reizbar und vor allem unzufrieden. Ich mecker nicht gleich los (da bin ich schon gut an Mama Koalas Denke und Gefühlslage gewöhnt, zum Glück!), aber ich laufe den halben Tag mit meiner Furche zwischen den Augenbrauen herum, weil dies nicht klappt und ich jenes nicht will.

Nun fühlt es sich richtig wie eine Challenge an. Wenn die Kinder lärmen und streiten, werde ich innerlich schon leicht aggressiv, auch mit besserer Organisation und den besten Vorsätzen.

Gestern habe ich dann - huch - meine Tage bekommen. ACH SO .... da erschien meine miese Laune der letzten Tage gleich in anderem Licht, nämlich der Erkenntnis, dass PMS bei mir anscheinend nun, nach 3 Schwangerschaften und Geburten, richtig zuschlägt.

Ein wenig hat mich das beruhigt, denn vorgestern hatte ich schon sehr klar keinen Bock mehr. Mir kam alles einfach sehr anstrengend vor und ich merkte, wie mir der Elan fast vollkommen abhanden gekommen war, der mich bislang noch so treu bei der Challenge begleitet hat.

Zum Glück für mich und meine Challenge, hatte mein Mann dann irgendwann die Faxen dicke und einen deutlichen und lauten Brüll gegenüber den beiden Großen herausgelassen. Ich konnte ihn verstehen, gleichzeitig hat mich das aber wieder auf den rechten Weg des Schreivermeidens geführt. So hatte es am Ende doch auch etwas Gutes...

Nun bin ich also wieder einen, bzw. zwei Schritte weiter. Ich habe nun sehr konkret bemerkt, wie sich
A Schlafmangel und B PMS auf meine Gemütslage auswirkt. Nämlich negativ und damit schreiwahrscheinlichkeitserhöhend.

Die folgenden Faktoren habe ich bislang als Trigger zum Rumschreien ausmachen können:
- Hunger
- übervolle To-Do-Listen
- Schlafmangel
- PMS

Ich versuche, diese Trigger frühzeitig zu erkennen, um noch "vernünftig" darauf reagieren zu können, bevor ich in den Autopiloten schalte, der sich über die Jahre einprogrammiert hat. Was für mich z.B. gut klappt ist, dass ich nachdem ich zweimal meinen Ton verschärft habe, beim dritten Mal nach dem Luftholen nichts sage. Das klingt etwas seltsam, klappt aber gut. Die Kinder gucken mich dann manchmal an, in Erwartung, dass das Geschimpfe jetzt richtig losgeht. Ich aber lasse dann einfach eine Bemerkung aus. Für mich entspannt sich die Lage dann meist schon und ich mache erst einmal nicht weiter und die Hitzigkeit steigert sich dementsprechend auch nicht noch weiter. Das gibt mir wiederum den Moment Zeit, den ich brauche, um kurz Signale von der Meta-Ebene empfangen zu können.

Du hast heute erst eine Banane gegessen und Kaffee getrunken, Du musst etwas ESSEN!
oder
Dich nervt gerade, dass Du heute mal wieder nicht annähernd Deine Liste abarbeitet bekommst. Das macht Dich furchtbar fickerig und unerträglich ungeduldig!

Für eine solche konkrete Deutlichkeit ist der Empfang dann oft doch zu schlecht oder das Signal zu schwach, aber ich kann immerhin erahnen, worauf das Ganze hinausläuft.

Als Reaktion sage ich dann meistens auch, was los ist, also ich muss jetzt erstmal was essen, dann geht's mir bestimmt schon besser, so wie ich es auch den Kindern rate, wenn sie in diesen Modus verfallen. Dadurch wird es dann ganz konkret und es kann schon fast nix mehr passieren, auch wenn es noch dauert, bis ich dann tatsächlich was esse.

Bei Schlafmangel und PMS ist mir allerdings nix eingefallen. Das Problem ist ja, dass man in der Situation an den Umständen nichts ändern kann und reine Bewusstmachung wird mir glaube ich nicht bei jedem Mal helfen.

Et hat nochmal joht jejange für die letzten Tage. Der übervollen To-Do-Liste widme ich dann mal die Tage einen Post, wenn ich alles auf meiner Liste erledigt habe ;-)

19. Juni 2013

Wiedersehen macht Freude - und Arbeit

Heute bin ich schon den zweiten Tag wieder mit meiner Familie zusammen. Sie haben mich vom Bahnhof abgeholt, alle 4 Männer und Männchen und so standen sie da, strahlten, rannten und alles war Freude.
Auch ich habe mich wahnsinnig gefreut und meine Vermutung, die ich während meiner Abwesenheit schon angestellt hatte, traf vollkommen zu: Wir haben wirklich die süßesten, coolsten, liebsten und witzigsten Kinder der Welt! (Gut, das haben viele andere ja auch, aber wir eben auch ;)).

Zu Hause merkte ich nach einiger Zeit, dass ich a) ganz schön übermüdet war und b) mich erst wieder einmal an mein neues Koaladasein zurückgewöhnen muss. Ich war ganz schnell wieder lauter, als ich es eigentlich wollte und merkte, wie mir die Energie flöten ging. Das Wetter hat sein Übriges getan, ich war müde, mir war in der Hitze nicht so wohl und die Kinder waren am Nachmittag etwas jenseits Gut und Böse, was mit Sicherheit meiner Abwesenheit und der Rückkehr zuzurechnen war. Mein Mann war mit den Kindern super eingespielt und sie hatten mir viel zu berichten, was sie alles gemacht und erlebt hatten, so dass es trotz Allem nur zu einer wirklich schwierigen Situation kam:
Kind 2 hatte sich soeben darüber beschwert, dass sein großer Bruder in das Planschbecken gepinkelt hätte, da stand er selbst da und ließ laufen. Ich saß auf der Terrasse und war vollkommen unbeweglich und in meiner Wahrnehmung auch total verlangsamt, so dass ich auch etwas ungewöhnlich reagierte. Ich hab nicht geschrien, noch nicht einmal nachdrücklich seinen Namen, wie ich das früher gerne gemacht habe. Ich habe das Handtuch, das ich in der Hand hatte, zerknüllt und nach ihm geworfen. Nun steht das Planschbecken gute 3-4 Meter von dem Terrassentisch entfernt und das Handtuch landete etwa 60cm entfernt von mir auf den Steinen, hatte es noch nicht einmal auf's Gras geschafft. Kind 2 sah mich verwundert an und sprang aus dem Becken, während ich einfach lachen musste. Kinder 1 und 3 lachten mit und ich dachte mir Mein Gott, wie bescheuert. Aber lieber benehme ich mich bescheuert, als dass ich meine Kinder anmeckere oder aggressiv rumschreie.
Am Abend habe ich mir mein Verhalten noch einmal vergegenwärtigt und mir klar gemacht, dass es ab jetzt wieder richtig zählt. Und dass es ab jetzt richtig Arbeit und Durchhaltevermögen vermag, um weiter erfolgreich dabei zu bleiben.


Gestern war dann mein erster Arbeitstag und alles lief ruhig und gut. Am Nachmittag habe ich mit dem Großen eine große Einkaufsrunde gemacht, wobei er zwischendurch bei einer Freundin im Planschbecken bleiben konnte. Die noch größere Hitze gestern hat meine Müdigkeit erst richtig zum Vorschein gebracht. Beim Einkaufen allein hat mich Vieles gestresst, ich habe geschwitzt, mich geärgert, noch mehr geschwitzt und am Ende noch 2 Stationen auf dem Zettel gehabt, die ich nicht mehr erledigt habe. Hmpf.
Nachdem die Kinder sehr gut ins Bett gegangen waren (sie waren auch einfach kaputt), habe ich erst einmal eine Haushaltsmappe erstellt, in der ich To-Dos, Einkaufszettel, Denken-Drans, Notizen usw. zusammen aufbewahre. Das hat meine Laune deutlich gebessert, ich hatte zwischendurch einfach das Gefühl, vom Alltag überwältigt zu sein.

Wie lange ich die Organisation durchhalte, bleibt offen, für den Moment ist es aber einfach gut, mein Gehirn etwas zu verlagern und nicht den ganzen Tag über das Gefühl zu haben, zu wenig zu schaffen und zu viel zu vergessen.

Heute ist es noch heißer, als gestern. Das Planschbecken ist gefüllt, der Orangensaft gestern schon zu Eisportionen eingefroren. Jetzt muss ich nur noch meinen Tagesplan zu Ende erledigen, dann werden wir es ohne Gemecker und Geschrei überstehen!

Tage 6 und 7: Mission erfüllt!

14. Juni 2013

Plädoyer: Eltern, seid ehrlich zu Euch selbst!

Auf der Suche nach interessanten Elternblogs musste ich feststellen: Die allermeisten Blogs, die um das Thema Leben mit Kindern und Erziehung kreisen, sind wirklich hochglanzpoliert und, sagen wir, etwas selektiv. Selektiv in der Auswahl der Momente, die die Eltern beschreiben und zwar einem deutlichen Muster folgend. Positive Erlebnisse werden dargestellt und negative Erlebnisse, aus denen man letzten Endes auch positiv gestärkt herausgeht. Die Entscheidungen und Handlungen der Eltern sind meist richtig und begründet, die Kinder sind, bis auf in wenigen Situationen, wundervoll und einfach perfekt.



Ich fühle mich gerade irgendwie einsam hier. Bei vielen anderen Blogthemen schreiben sich die Leute den Frust von der Seele und zwar häufig ungefiltert und geradeaus ehrlich. Was ist los mit den Eltern? Seid ihr so perfekt? Habt ihr an Euch selbst den Anspruch gestellt, perfekt sein zu wollen und, bis es soweit ist, perfekt zu erscheinen?
Die Blogs, die ich gefunden habe, sind sehr unterschiedlich, aber die allerwenigsten beschreiben Situationen von Überforderung, Nervenbröckelung und eigenem "Fehlverhalten" wie Demütigung von Kindern aufgrund der eigenen Genervtheit.

Es scheint, dass selbst in der halbanonymen Sphäre der Blogwelt die eigene Unzulänglichkeit nicht direkt benannt werden kann. Das kann ich sehr gut verstehen. Vor meiner Challenge konnte ich mich zu vielen Dingen selbst vor guten Freundinnen kaum bekennen; zu groß war das Gefühl von Scheitern, zu groß schien die Gefahr, dass Dinge durch's Aussprechen wahr werden, die ich bislang erfolgreich minimieren konnte. Ich mecker ja nicht NUR. Ich bin ja MEISTENS EIGENTLICH nett und habe ein gutes Verhältnis zu meinen Kindern. Ich bin ja NICHT IMMER genervt und schreie herum ....

Tatsächlich hat sich für mich herausgestellt: Sich dem stellen, was da (teilweise auch unbewusst) passiert, mein eigenes Verhalten beobachten und sezieren, hat SO VIEL für mich getan! Einen größeren Gefallen hätte ich mir selbst, meinen Kindern und meinem Mann kaum machen können.

Deshalb plädiere ich an dieser Stelle für: Mehr Ehrlichkeit! Man muss es nicht herausposaunen, man muss es nicht bloggen, man muss gar nix, aber sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und die entsprechenden Schlüsse zu ziehen kann so viel bewegen!


13. Juni 2013

Der Erstgeborene und wie alles begann

Da ich nun ein wenig Zeit ohne meine Kinder verbringen werde, halte ich den unsichtbaren Zähler für die Tage an, an denen ich meine Kinder gar nicht sehe und daher auch nicht anschreien kann.
Dennoch kreisen meine Gedanken nach wie vor noch viel um das Thema.

Mit Freundinnen, die mehr als ein Kind haben, habe ich schon mehrfach darüber gesprochen, wie schlecht wir uns gegenüber unseren erstgeborenen Kindern manchmal verhalten und wie beschämt wir selbst darüber sind. Quintessenz war dabei stets, dass uns bewusst ist, wie unfair wir gegenüber unseren Großen manchmal sind und wie unzufrieden wir gleichzeitig damit sind.
Uns allen war gemein, dass wir erst mit regelmäßigem Meckern und Schreien angefangen haben, nachdem das zweite Kind da war. Und wir alle finden: Wie ungerecht ist das!?! Was können die Ersten dafür, dass sie kleine Geschwister bekommen? Kein Wunder, dass da Gefühle bei den Kindern zum Vorschein kommen, die wir Erwachsenen gerne als Eifersucht abtun. Einerseits ist uns klar, jaja, sie ist halt eifersüchtig, ist normal, andererseits gestehen wir den Kindern diese Gefühle in letzter Konsequenz nicht zu. Die Eifersucht muss bekämpft werden, sei es durch Zurechtweisungen wie „Stell dich nicht so an“, auch wenn wir es so nicht sagen, oder sei es durch Aktionen, die dem großen Kind zeigen sollen, dass Mama und Papa es natürlich genauso lieb haben, wie das kleine Geschwisterchen.

Aus Elternsicht ist die Genese von den glücklich strahlenden frischgebackenen Honeymooneltern zu stampfenden und schreienden Furien zunächst einfach erklärt. Schlafentzug, stärkere zeitliche Einbindung, Streitereien zwischen den Geschwistern … und schlussendlich konnte unser Großer auch schon sprechen, als das Baby kam. Doch solche Erklärungen blenden völlig aus, dass ich als bereits lange erwachsene Mutter meine Kinder anschreie. Zwar habe ich das Gefühl, dass aus mir ein Muttermonster spricht, das ich eigentlich nicht kenne, aber damit komme ich wohl nicht durch. ICH entscheide über mein Verhalten und ich entscheide auch über den Grad zu dem ich meine Reaktionen und meine Emotionalität kontrolliere. Oder eben auch nicht.

Unser Erstgeborener hat viele sehr unterschiedliche Talente. Wenn man mich vor wenigen Wochen gefragt hätte, welches denn sein bestes sei, hätte ich wahrscheinlich geantwortet:“Seine Fähigkeit mich mit kleinen Dingen rasend zu machen“. Er kann das wie kein zweiter – stoisch anscheinend weghören und sich nicht bewegen, wenn man ihn darum bittet, mit dem Fuß scharren und damit fortfahren, nachdem ich ihm 6 mal bitte, das zu lassen, seinen kleineren Bruder geschickt zergen, auch das mit beachtenswerter Ausdauer … die Liste kann noch beliebig fortgeführt werden.
Die Meckermama spielte bei seinem Spiel immer perfekt mit (wobei ich mir gar nicht so sicher bin, dass hinter all diesen kleinen Nervigkeiten, die die Kinder so machen (und lassen) tatsächlich Intention steckt und diese Intention auch immer etwas mit mir zu tun hat) --- ich bat ihn, ermahnte ihn, bat ihn noch einmal mit erzwungen ruhiger Stimme, die schon das Timbre der folgenden Tiraden erahnen ließ, fügte den Vornamen mahnend mit ein und an einem beliebigen Punkt (je nach Stimmung, Wetter, Tageszeit) klatschte die Hand auf den Tisch (was ehrlich gesagt meistens weh tat) und Meckermama war in ihrem Element. Zu erkennen, dass es sich immer um das gleiche Spiel mit vorhersehbarem Ausgang handelt, reicht leider nicht aus. Man muss auch etwas dagegen tun.

In diesem Fall war es gar nicht so schwierig, wie es in schlauen Ratgebern zum gelassenen Umgang mit Kindern immer steht --- ich habe nicht angefangen, pädagogisch wertvolle Erklärungen und Begründungen zu predigen (Du, Mama mag das nicht und hat Dich doch schon mehrmals gebeten es zu lassen. Ich kann verstehen, dass Du gerne Deinen Bruder kneifen möchtest, aber solch ein Verhalten ist nicht OK, das musst Du lernen ….), sondern einfach weniger reagiert. Weniger heftig und vor allem weniger schnell und dosierter. Und siehe da: Sein Talent der Mamaverärgerung ist nicht versiegt, aber dass ich mich tatsächlich ärgerlich fühle, das passiert nur noch selten.

Das schlechte Gewissen ist bei mir immer dem Großen gegenüber am schlimmsten. Ihn behandle ich im Zweifel ungerechter, packe ihn härter an und reagiere, bzw. überreagiere auch deutlich schneller, als bei den beiden anderen. Das kommt dann zurück, wenn er abends im Bett liegt und schläft und ich mir wünsche, alles ungeschehen machen zu können. Was ist da aus der beschützenden, unterstützenden Mutter geworden?

Jetzt gerade merke ich, wie ich auf einem richtig guten Weg bin mit ihm. Er ist mir umgekehrt auch sehr zugewandt und wir kommen prima klar. Ich kann seine Bedürfnisse besser sehen und erst einmal unbewertet und ungenervt wahrnehmen. An einem der letzten Tage war er sehr nölig und weinerlich, was mich angestrengt hat. Als ich ihn in mitfühlendem (nicht, wie früher meist, genervt-fordernden) Tonfall gefragt habe, was denn los sei, hat er sich angekuschelt und mir erzählt, was ihn an seiner Playmobilausstattung stört. Kein großer Deal? Für ihn schon! Ich musste nachsichtig lächeln und habe einfach genossen, dass er das gegenüber mir äußern konnte, denn damit hat er häufig Probleme.

Als ich ihn dann fragte, wie ich mich denn seiner Meinung nach machte, als neue Mama Koala, grinste er und streckte seinen kleinen Daumen hoch. Ich kann es nicht genau sagen, aber er wirkte fast erleichtert.

10. Juni 2013

Was die Kinder wohl denken

Ich habe ja hier schon erwähnt, dass ich die Einsicht, dass die Kinder mein wichtigstes Publikum sind, phänomenal finde. Eine Sicht, die mir wirklich lange aus unterschiedlichsten Gründen versperrt war. 

Eigentlich weiß ich das, eigentlich ist es völlig klar: Ich möchte ein gutes Verhältnis mit meinen Kindern, ich möchte ihnen eine Mutter sein, der sie vertrauen können und auf die sie bauen können. Sie müssen nicht alles cool finden, was ich so mache (äähm, ja, das wäre in der Tat sehr viel verlangt), aber ich möchte, dass sie mich als Person sehen. Ich möchte nicht, dass sie in mir immer "nur" Mama sehen, wenn Mama mit Zurechtweisen, Schimpfen, "Was hab ich Dir gesagt?" und "Du hörst mir jetzt zu" verbunden ist. So wie ich dei Kinder auch in ihrer gesamten Persönlichkeit versuche zu sehen, so sollen sie auch die Möglichkeit haben, mich in allen Facetten meiner Persönlichkeit zu sehen.

Eine Facette davon ist Wut und Genervtheit. Was dahinter steckt, können die Kinder nicht wissen und auch ich kann oft nur ahnen, warum es mich gerade so schnell aufregt, wenn eines der Kinder auf dem Tisch trommelt und damit auch nach freundlicher, wiederholter Aufforderung nicht aufhört. Oder wenn eines der Kinder ins Zimmer geht, um sich anzuziehen, bereits ausgestattet mit Unterwäsche und T-Shirt aus dem Noch-nicht-gelegt-Wäschekorb und nach 15 Minuten splitternackt auf dem Teppich sitzt und gebannt dem 536. Durchlauf der aktuellen Lieblings-CD (seiner, nicht meiner!) lauscht.

Kind #2 reagiert meistens sehr gelassen auf mein dann einsetzendes Drängen: "Aaach, Mama, ich mach ja schon...". Gaaaanz langsam halt. Wenn er älter wäre, würde es wahrscheinlich heißen "Mama, chill mal!".

In der oben beschriebenen Situation hat die neue Koala-Mama erstmal nix gesagt. Ich bin erst einmal wieder aus dem Zimmer rausgegangen und habe mich im Bad frisiert, auf die Zeit geguckt und beschlossen, ihn beim Anziehen zu unterstützen. Anschließend haben wir die Kleidungsstücke abwechselnd angezogen, eines er selbst, beim nächsten hab ich wieder geholfen usw.. 
Das ging völlig ruhig und nett vonstatten (die CD lief gerade zu Ende) und am Ende sprang er auf meinen Arm und küsste mich ausgiebig.

Wow, dachte ich. Kopf: Soll ich das jetzt gut finden? So lernt er ja NIE sich zu beeilen und sich selbst anzuziehen. -- Herz: Hach, wie schön. -- Kopf: So kann ich das aber nicht immer machen! -- Herz: Hach! Kopf: Andererseits, mit ein bisschen Unterstützung klappt es ja gleich zu 100%, vielleicht sollte ich die vorerst noch einplanen.

Und genau da bin ich stehen geblieben. Ich bin stolz, dass der Morgen so stressfrei über die Bühne gegangen ist, denn daran hatte ich, wie ich gemerkt habe, großen Anteil. Und ich nehme mir nun vor, das Einfache dem Langwierigen vorzuziehen. Nur so als Maßgabe. Es gibt bestimmte Dinge, die ich von den Kindern verlangen können möchte. Ich habe die Hoffnung, dass sie sich darauf besser einlassen können, wenn ihnen meine Unterstützung ansonsten sicher ist. Sie haben sich in der letzten Zeit auch angewöhnt erst einmal sehr höflich und einfach lieb nach Dingen zu fragen, dazu gehört auch Hilfe. Besonders beim Großen merke ich, wie positiv er es anscheinend annimmt, wenn ich kleine Dinge für ihn erledige (z.B. für ihn ein Glas aus der Küche hole). Wenn er es dann beim nächsten Mal selbst machen soll, fällt ihm das leichter und es gibt weniger Murren. (oder bilde ich mir das nur ein?? Der Langzeit-Test wird's zeigen!).

Und noch einmal zum Thema Publikum: Die Kinder erleben mich ja in vielen unterschiedlichen Situationen, sind eigentlich nur im Job und beim Treffen mit Freunden abends nicht dabei. Sie kennen mich! Sie erleben meine nicht immer qualifizierten Bemerkungen in unterschiedlichen Tonlagen beim Autofahren und sehen mich im Umgang mit den unterschiedlichsten Erwachsenen und Kindern.
Und das Schlimme ist: So, wie ich im Furienmodus zu ihnen bin, bin ich mit niemandem sonst. Das hat mich in den letzten Tagen immer wieder beschäftigt. Ich brülle niemanden, meinen Mann eingenommen, außer ganz ganz zweimal nur, so an und habe so einen demütigenden und herrischen Ton wie bei meinen Kindern. Die Kinder, die ich über alles (!) liebe und die ich unterstützen und stark machen möchte, erleben regelmäßig die mit Abstand gruseligste Seite von mir. Und nicht nur das, ich zeige ihnen deutlich, dass ich WEGEN IHNEN mich so verhalte. Das macht mich wirklich betroffen. 

Andererseits steigert es momentan auch mein gutes Gefühl, es NICHT mehr zu tun. Ich bin stolz auf mich und würde am liebsten jedem erzählen, dass ich auf einer Mission bin und und und.
Ich habe es meiner Schwester erzählt. Punkt. Noch nicht einmal in dieser Deutlichkeit meinem Mann. Der merkt zwar den Unterschied, aber die Mission als Solche kennt er noch nicht.

Ich werde ihn aber auf jeden Fall einweihen, denn ich kann ihn gut als Unterstützung gebrauchen, wenn es mal hart auf hart kommt (und falls er nicht da ist, kann ich ihn ja vielleicht anrufen ... ? ... :))

EDIT @ 23:00h: Dieser Tag war der bisher harmonischste bei uns allen: Mission erfüllt! Ich bin derzeit hochzufrieden und fühle mich richtig gestärkt in meinem Entschluss. Ich hoffe, dass dieses Gefühl laaange anhalten wird, schließlich möchte ich mich nicht enttäuschen. Und die Kinder nicht. Und die Welt dort draußen, die von meiner Mission nichts weiß, natürlich auch nicht!