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24. Juli 2013

Es muss sich noch was tun!

Gestern zählt schon wieder nicht. Ich habe Kind 1 derart lautstark auf das Zimmer geschickt, dass ich es einfach nicht durchgehen lassen kann. Nun mache ich mir Gedanken, ob ich meine Challenge-Regeln nicht verschärfen sollte.

Die Situation war eigentlich gar nicht so ungewöhnlich. Kind 1 im Ärgermodus, der ihm häufig gleichzeitig ein unglaublich dickes Fell und eine bemerkenswerte Reaktionsträgheit beschert. Meine Eltern waren zu Besuch und wir waren draußen am Planschbecken und hatte soweit Spaß. Als das Ärgern nicht aufhören wollte, habe ich ihn ermahnt und mit Poolverbot gedroht. Wenige Minuten alles gut, dann wieder das für mich so nervige Verhalten. Irgendwann habe ich ihn dann reingeschickt, bin hinterher und habe ihn, als wir drin waren, kurz aber heftig angeschrien, befeuert noch dadurch, dass er auch da noch so aufreizend extra langsam gegangen ist.

Für mich war diese Situation aus verschiedenen Gründen echt enttäuschend.
1. Ich habe es nicht geschafft, alternative Möglichkeiten auch nur abzuwägen und habe rumgeschrien. Das will ich nicht mehr!
2. Es gibt einen weiteren Trigger, dessen ich mir nicht bewusst war: Besuch ist da und (insbesondere wenn es meine Eltern sind) ich schimpfe und ermahne lange nicht. Nach einer Weile haben sich anscheinend die unterdrückten "Hinweise" schon so aufgestaut, dass die Phase, in der ich dann ruhig erkläre und ermahne, extrem kurz ist. Außer Hörweite kommt's dann raus und ich mecker und schreie oder schreie ohne Stimme mit diesem giftigen Zischen. Diese Dynamik hatte ich so noch gar nicht bemerkt und es ist gut, das nun zu wissen. Andererseits finde ich es auch beschämend, dass ich nach wie vor auf externes "Publikum" so reagiere und die Kinder nicht als das wichtigste Publikum zu sehen.
3. Es bin sehr unzufrieden, weil es nun schon wieder "passiert" ist. Ich habe gestern Abend ernsthaft erwogen, ob ich den Counter nicht zurückstellen und wieder bei Tag 1 beginnen sollte, um mich zu bestrafen, aber auch um es mir in der Zukunft schwerer zu machen, so schnell (über) zu reagieren.

Was nun? Ich habe mich gegen einen Reset entschieden, denn die schreilosen Tage sind ja schon geschafft und darauf bin ich auch stolz. Dennoch mache ich mich ab heute daran, deutlicher auf Trigger zu reagieren und mich selbst wieder stärker zu kontrollieren. Denn das, das hat die Vergangenheit gezeigt, hatte schon so viele positive Effekte, dass es sich lohnt die Energie zu investieren, um die Kinder nicht mehr anzuschreien.

Am Wochenende geht es auf Familienurlaub, den ich - natürlich- komplett mecker- und schreifrei halten möchte!

10. Juli 2013

Durchhalten -- Bewährungsproben und was ich noch lernen muss

Ich sitze beim viel zu verfrühten Frühstück mit den zwei Kleinen (ich Kaffee, sie Frühstück), es ist hell und freundlich draußen und ich freue mich über das Sommerliche – das Wetter, das Unkomplizierte, meine Stimmung. Die letzten Tage konnte ich nicht immer diese Stimmung aufrechterhalten, aber ich kann sagen: Ich habe meine Kinder nicht angeschrien. In einigen Situationen klang ich patziger, als es wahrscheinlich nötig gewesen wäre und gestern hätte ich es um Haaresbreite nicht geschafft. Zum Glück habe ich noch so gerade die Kurve gekriegt, bevor alles eskaliert wäre.

Ich war mit den Kindern alleine zu Hause und alle drei waren nölig und gleichzeitig kribbelig. Nr. 3 hat ständig geheult, geschrien oder gewimmert und ich konnte nicht feststellen, was genau er wollte. Um die beiden anderen stand es nicht viel besser. Anstatt wie gestern gemeinsam zu lesen, gemeinsam draußen zu picknicken, gemeinsam Playmobil zu spielen und CD zu hören (zugegeben: Das war große Klasse gestern und in dieser Form und Dauer nicht die Regel) gab es ständig Reibereien. Jedes Mal, wenn sie sich begegneten, kamen sie sich körperlich in die Quere, der Älteste zergte Nr. 2, die beiden kämpften, was jedes Mal in Geschrei und Gewimmer endete, sie provozierten sich gegenseitig, jagten sich durch's Haus und Garten, nur um sich dann weiter zu ärgern, nass zu spritzen und am Ende wieder zu schreien und zu wimmern.

Den Nachmittag hatte ich mir ganz anders vorgestellt und war sehr genervt vom Geräuschpegel und dem immerwährenden Zwist, der das Haus füllte. Dazu das mehr heulende als fröhliche Kleine. Meine Geduld schwand und mit ihr meine guten Vorsätze. Ganz gemäß meines alten Musters beschloss ich an einer Stelle, die Großen dürften sich nicht mehr in die Quere kommen und verbot ihnen Körperkontakt (wie abstrus das jetzt wirkt, in der Ruhe des morgendlichen Frühstücks bei Vogelgezwitscher!). Jaha, Mama, machen wir nicht mehr (Nr. 2) und Öntschuuldigunnnng (Nr. 1) hielten nicht lange vor. Nach kurzer Zeit war es wieder dasselbe Spiel und ich nun vollständig entnervt. Als Steigerungsmaßnahme schickte ich beide auf ihr jeweiliges Zimmer.

Wie macht man das, die Kinder wegschicken, ohne laut zu werden? Eigentlich stellte ich mir vor, dass das Wegschicken selbst schon ein solche deutliches Zeichen sei, dass die Kinder reumütig den Weg antreten, um nach einiger Zeit beruhigt und geläutert wieder zurückzukommen. HA! Hat ja noch nie so funktioniert! Die Wut bricht sich erst einmal richtig Bahn, die Kinder weigern sich, schmeißen sich auf den Boden oder klammern sich an die Treppenstufen. Je nach Körpergröße hätte ich sie früher geschnappt und auf ihr Zimmer getragen, „wenn es nicht anders ging“. Sanft war das nicht und vollständig gegen meine eigenen Werte des Umgangs mit Kindern sowieso.

Während meiner Challenge kam es bislang noch nicht dazu, dass ich sie ins Zimmer geschickt habe. Das ist schon ein großer Schritt für mich, denn das Wegschicken war früher meist die letzte Stufe der Eskalation. Nur selten und nur beim Großen geschah das auf annähernd partnerschaftliche Weise, er ging halb freiwillig, nahm sich die Zeit alleine in seinem Zimmer und beruhigte sich durch kreatives Spielen (so, wie ich mir das Ganze immer vorgestellt hatte). Bei Nr. 2 war es purer Zufall: Auch er hatte manchmal durchaus Lust, alleine im Zimmer zu spielen (was er sonst auch gerne macht), dann ging er in solchen Situationen selbst und schnell dorthin und kam ganz gelöst nach einer Viertelstunde oder mehr von selbst wieder.
Die zu kappen bedeutet eine deutlich Verbesserung im Umgang mit den Kindern. Am Wochenende  hätte ich es schon viel früher kommen sehen können und sollen. Mit etwas mehr Kreativität wäre es auch da sicherlich nicht so weit gekommen.

Und genau dort möchte ich von nun an an mir arbeiten: Prävention. Während der ersten Tage der Challenge ging Vieles so leicht, dass mir die Alternativen zum Rumschreien, wie sie das Orange Rhino beschreibt, allesamt überzogen vorkamen. Jetzt merke ich, dass ich selbst Möglichkeiten finden muss, gezielt die Trigger zu erkennen und dann vor allem etwas anderes zu tun. Ich habe ja bereits darüber geschrieben, wie nichts zu sagen in einigen Situationen schon gut funktioniert hat. Es gibt aber Momente, da geht es nicht ums Verbale, z.B. im Umgang mit Kind Nr. 2 und 3. Da hilft also auch diese Strategie nicht weiter. 

Morgen ist der Tag, an dem ich damit beginnen werde. Vielleicht und hoffentlich kommen mir Ideen, die mir bei der Bewältigung schwieriger Situationen helfen. Ich werde berichten!




30. Juni 2013

Zweimal nix mit guten Vorsätzen ...

Gestern und vorgestern war es soweit: An diesen Tagen habe ich meine Mission nicht erfüllt. Mehrfach nicht erfüllt. Ich muss meinen Counter um zwei Tage zurückdrehen und fühle mich saft- und kraftlos.

In den letzten Tagen habe ich mich schon recht müde gefühlt, immer noch, dazu einfach ausgelaugt und antriebslos. Der Haushalt blieb zu großen Teilen liegen, was in Unordnung, Wäschebergen und wachsender Unzufriedenheit meinerseits mündete. Ich hatte einfach keine Energie und empfand alle möglichen Kleinigkeiten als lästig und hatte schnell das Gefühl, alles nicht schaffen zu können. Tatsächlich habe ich fast gar nichts geschafft. Ich malte mir häufig aus, wie das alles werden soll, wenn ich erstmal wieder mehr arbeite und kam immer zu dem Schluss, dass das alles gar nicht gehen kann. Woher soll ich die Zeit nehmen? Woher die Energie und den Optimismus?

Und ganz passend zu meinem Allgemeinbefinden war es dann auch mit meiner Ausdauer bezüglich Anschreiverbot bestellt. Ich fühlte mich überfordert und übellaunig und habe dieses die Kinder auch spüren lassen. Sie waren eigentlich ganz normal, aber ich fand in einigen Situationen alles so ätzend, dass ich meine schlechte Laune an ihnen ausließ. Ich erinnere mich nur noch vage an die Situationen selbst, aber ganz deutlich an das Gefühl des Scheiterns, als mir bewusst wurde, dass ich wieder in der alten Schleife unterwegs war. Statt dann wegzugehen oder eine andere Alternative zu finden (z.B. nichts entgegnen, singen, albern sein, etc.) habe ich mich noch richtig hineingesteigert und verbal noch einen drauf gesetzt.

Alles in allem war das in einem erträglichen Rahmen, wenn ich das mit vorherigen Zeiten vergleiche. Für Mama Koala war es aber ganz und gar nicht akzeptabel. Mein Ton war meckerig, die Stimme viel zu laut und zu aggressiv. Und das vorgestern gleich zwei Mal, da war mir klar, dass ich diesen Tag nicht gelten lassen kann.

Gestern kam es dann zu einer kurzen Situation, die aber auch laut und unangebracht war. Auch da habe ich nur noch das Bild vor Augen, wie mein Ältester im Auto sitzt und mich anschaut, während ich ihn vollschimpfe. So ein Bild wollte ich doch genau nicht mehr erzeugen!

Heute bin ich einen ganzen Tag weiter. Der Ärger über mich selbst ist noch da, aber ich merke, dass ich die Lage so langsam wieder in den Griff bekomme. Gestern dachte ich noch, dass diese ganze Challenge doch völlig übertrieben sei, wie soll ich das je schaffen? Vor ein paar Tagen noch die 2 Wochen abgefeiert, jetzt schon gescheitert.
Heute merke ich aber, dass mein Wille, diese Challenge durchzuziehen doch sehr stark ist. Im Sinne meiner Kinder, im Sinne meiner Beziehung und für mich selbst will ich ganz einfach kontrollierter und vernünftiger auf stressige Situationen reagieren, bzw. mich so verhalten, dass es in der Regel erst gar nicht zu solchen Situationen kommt.
Da die letzte Zeit aber mit Sicherheit nicht die stressigste war, die mich in diesem Mama Koala Jahr erwartet, muss ich mich noch einmal ein wenig feiner justieren. Denn: Kein Kind und auch sonst niemand in der Familie ist krank, ich bin nur ein wenig kraftlos, aber ansonsten gesund, der Juni ist nun nicht gerade der klassische Depri-/Stressmonat und ich arbeite nur sehr wenig. Da gibt es Schlimmeres!

Ich habe heute überlegt, ob ich nicht noch einmal von vorne anfangen sollte mit dem Zählen. Damit es mir nicht wieder "passiert", denn einfach einen Tag aussetzen fühlt sich nicht so richtig wie die Zurechtweisung an, die ich anscheinend gelegentlich brauche.

Aber ich habe mich dagegen entschieden und hoffe, dass ich auch so genug gelernt habe, um mich in Zukunft besser wieder in den Griff zu bekommen. Vielleicht sollte ich ja doch über vielfältigere Alternativen zum Schreien nachdenken und sie erproben. Und vielleicht sollte ich auch meine Trigger ernster nehmen und sie vor allem schneller erkennen.
Das Problem der letzten Zeit war, dass sich zum allgemeinen Trigger Müdigkeit auch noch Unzufriedenheit gesellte. Damit kann ich sowieso nicht gut umgehen und so ist es nicht verwunderlich, dass ich gerade jetzt diesen Rückschritt gemacht habe. Diese latenten Gefühlszustände finde ich viel schwieriger als Trigger zu identifizieren. Jetzt weiß ich es aber und werde mir bei nächster Gelegenheit, wenn es wieder einmal soweit ist, dazu etwas überlegen müssen. Meine Kinder könnten z.B. Koalamasken tragen, dann würde ich stets daran erinnert, dass ich doch die Koalamama sein will!

Zwei weitere Tage ohne Anschreien und Gemecker sind immerhin geschafft. Morgen beginnt neue Woche und ich will sie im neuen Bewusstsein beginnen, dass die Challenge Anstrengung erfordert, die ich nun wieder erbringen will. Denn wie Janosch schon sagte: Jeder Tag ist neu.